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Fettnäpfchen in Asien - zwei Beispiele

In vielen asiatischen Ländern ist es üblich, sein eigenes und das Gesicht anderer Menschen zu wahren. Dort, wo man auf engem Raum zusammenlebt und existenziell voneinander abhängig ist, bewahrt man mit einer Reihe gesellschaftlicher Normen die Harmonie und versucht damit, Konflikte taktvoll zu umschiffen.

Situationen, die in Europa ganz normal sind, können in Asien das Gegenüber verunsichern oder beschämen. Vor allem wir Deutschen sind mit unserer direkten Art prädestiniert für Fettnäpfchen und merken es oft gar nicht, wenn wir in eins hineintreten. Selbst bei guter Vorbereitung auf das Reiseland passiert das immer mal wieder.

Es folgen zwei Beispiele. Die erste Geschichte ließ einen Mann in Bangkok das Gesicht kosten, der uns eigentlich helfen wollte. In der zweiten Geschichte legt sich ein Geschäftspartner in Indien ins Zeug, um einen Fehler auszubügeln, den ich begangen habe und der uns beide das Gesicht gekostet hätte.

Ein Thai rastet aus, nachdem er uns eigentlich helfen wollte

Thais sind sehr nett und gastfreundlich. Fast jedes Mal, wenn wir in Bangkok an Kreuzungen in den Stadtplan schauten, kam jemand zur Hilfe. Aber  es passiert dann gelegentlich auch, dass der Helfende keine Stadtpläne lesen kann oder das Ziel nicht kennt. Er würde das aber nicht zugeben, denn dann würde er dem Gast mitteilen, dass er ihm nicht helfen kann, wodurch er sein Gesicht verlieren würde. Also wird in irgendeine Richtung gezeigt und ein fiktiver Weg erklärt.

Einmal saßen wir in der Nähe unseres Hotels zu Zweit auf einer Bank am Fluss. Sie schien etwas verloren und abseits zu stehen und es machte in den Augen eines vorbeilaufenden Thais offenbar keinen Sinn, dass wir da saßen. Er fragte, ob alles ok ist und was wir vorhaben. Wir sagten, wir möchten uns ausruhen und nachher zum Hotel gehen. Das wäre zu weit zum Laufen, sagte er nach einem Blick auf unsere Karte. Kein Problem, sagten wir. Es ist aber zu weit, ich organisiere euch jetzt ein Taxi. Und bei dieser Gelegenheit könnt ihr eine Tour durch die Stadt machen und Sehenswürdigkeiten anschauen, z.B. Black Buddha und Königspalast.

In diesem Moment kam ein Taxi angerauscht und unser Helfer rannte zur Straße und stoppte es. Und bevor wir reagieren konnten, hörte ich ihn schon Black Buddha und Königspalast aufzählen.

Ich sagte zum Taxifahrer, dass wir keine Fahrt benötigen. Und da war es passiert. Unser Helfer verlor sein Gesicht vor dem Taxifahrer. Er schrie zu mir „you’re crazy man“, fuchtelte wild mit seinen Armen herum und wäre beinahe auf mich losgegangen.

Es kann passieren, dass die ansonsten so friedliebenden Thais bei einem Gesichtsverlust ausrasten. Um sein Gesicht zu wahren, hätten wir wahrscheinlich in das Taxi steigen und wenigstens um die nächste Ecke fahren müssen.

Indien - der dritte Mann rettet unseren Geschäftstermin

Ein Geschäftspartner aus Goa, der alternative Bekleidung fertigt, wollte mir einige Warenmuster übergeben. Ich lud ihn dazu in ein Restaurant ein und fragte, ob er ein Gutes empfehlen kann. Ob ich Vegetarier bin oder Fleisch essen möchte, wollte er wissen. Mir war es egal. Also schlug er ein gutes Fischrestaurant vor.

Zum Termin kam er zu zweit mit einem Freund. Dieser ging sofort zum Kellner und bestellte eine Menge Gerichte, die in die Mitte des Tisches gestellt wurden. Dann brachte der Kellner zwei leere Teller: Einen für mich und einen für den Freund des Geschäftspartners. Auf die Frage, ob er denn nichts essen möchte, antwortete mein Geschäftspartner, er sei Vegetarier und könne hier auch kein vegetarisches Gericht essen, da in der Küche Fisch verarbeitet wird. Aber er habe ja einen guten Freund, der für ihn isst.

Ich hätte bei der Einladung die Gegenfrage stellen müssen, ob er ein vegetarisches Restaurant bevorzugt. Erstens, weil viele Inder Vegetarier sind, vor allem jene mit hohem gesellschaftlichen Rang. Und zweitens, weil die Sensibilität an dieser Stelle angebracht ist, denn man kann ansonsten höchstens aus den Gesichtszügen eines Inders herauslesen, ob eine Sache ok ist oder nicht.

Der Inder fand einen gekonnten Ausweg aus der Situation und servierte damit wieder eine dieser Storys, die Indien so interessant machen. Er ließ mir auch keine Chance, die Rechnung zu bezahlen, sondern schickte gleich nach dem Essen seinen Freund zum Kellner.

Die direkte Art der Deutschen

Inder haben eine leise, filigrane und indirekte Kommunikation und umspielen Situationen gekonnt. Viele Deutsche können da nicht mithalten. Wir wirken oft direkt, barsch und laut. Selbst in einigen europäischen Ländern, z.B. in Großbritannien, kann unsere Art irritieren.

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